Wie zeitgemäß ist die kurze Zigarettenpause?
Die meisten von uns, die sich noch erinnern, wie es teilweise früher an den Arbeitsplätzen aussah, werden geradezu erleichtert aufatmen, wenn sie einen Arbeitskollegen den Raum für eine Zigarettenpause verlassen sehen.
Noch vor nicht allzu langer Zeit konnte man nämlich im Innern der Bürogebäude vor lauter Zigarettenrauch kaum die Hand vor den Augen sehen.
In den letzten Jahren geschah das Unvorstellbare. Das Rauchen wurde an den Arbeitsplätzen aller staatlichen Behörden und in den meisten Unternehmen verboten. Die Raucher mussten in die Illegalität abtauchen. Sie wurden für ihre Zigarettenpausen in die Treppenhäuser verbannt und konnten dort auf Rache sinnen.
Die kalte, harte Realität holte sie jedoch erst richtig ein, als sie ganz ins Freie geschickt wurden. Aber auch die schiefen Blicke der Kollegen waren nicht imstande, die Frischluftliebhaber abzuschrecken. Die Zigarettenpause im Freien ist inzwischen zu einer festen Einrichtung geworden.
Über die Jahre sind die diesbezüglichen gesetzlichen Regelungen im ganzen Land gestrafft worden. Das Rauchen ist mittlerweile in allen geschlossenen Arbeitsräumen, einschließlich Bars, Clubs und Glückspielhallen, verboten.
Diese Gesetze haben sich dramatisch auf die Zahl der Mitarbeiter ausgewirkt, die dem Laster entsagten. Dennoch ist so mancher Arbeitgeber frustriert darüber, dass es immer noch Arbeitnehmer gibt, die dem Frischluftritual frönen.
An manchen Arbeitsplätzen beschweren sich Management und Nichtraucher gleichermaßen darüber, dass Zigarettenpausen unfair sind und Produktivitätsverluste verursachen.
Kein Grund zur Aufregung. Die Zigarettenpause ist bei vielen in der Psyche verankert. Sie gehört zu ihrem Lebensstil. Ob im Freien oder am Getränkeautomaten, Arbeitnehmer brauchen diesen Kurzurlaub von ihrem Arbeitsplatz. Wie die Sicherheitskräfte im Straßenverkehr die Autofahrer dazu anhalten, auf Reisen alle zwei Stunden eine Pause einzulegen, so brauchen auch Arbeitnehmer eine kurze Erfrischung. Indem sie vom Arbeitsplatz oder vom Schreibtisch aufstehen, tanken sie wieder neue Energie.
Einige Studien belegen, dass mehrere kurze Arbeitspausen die Produktivität effizienter stärken als eine einzige lange Pause.
Aufgaben, für die ein erhöhtes Maß an Konzentration aufgebracht werden muss, erfordern ab und zu eine Pause, um Ermüdung und menschliche Fehler zu minimieren.
Aus diesen Studien geht klar hervor, dass die Effizienz von Arbeitnehmern, deren Tätigkeit streng überwacht wird und die innerhalb von zwei Stunden keine Pause machen können, um 20 % sinkt.
Ob Zigarettenpause im Freien oder ein kurzer Snack bzw. eine Tasse Kaffee, die Pause hat einen unbestreitbaren Sinn.
Pausen für Raucher (oder Kaffeetrinker) erfüllen außerdem einen wichtigen sozialen Zweck. Sie dienen dem Austausch wichtiger arbeitsbezogener oder sozialer Informationen zwischen allen Unternehmensebenen. Die Pause vereint sie zu Waffenbrüdern, die sich im Schützengraben eine Zigarette teilen.
Sportergebnisse, Arbeitsthemen und Berichtstermine werden in kollegialer Atmosphäre besprochen. Anschließend kehren die Mitarbeiter frisch und für die nächste produktive Arbeitsphase energiegeladen an ihren Arbeitsplatz zurück.
Die im Freien verbrachte Zeit für die Zigarettenpause sollte deshalb kein Thema sein. Produktivitätsverluste bedingt durch die Gesundheitsprobleme von Rauchern? Das steht auf einem anderen Blatt.
Natürlich sollten Vorgesetzte ihre Mitarbeiter zu einem gesunden Lebensstil ermutigen. Der beste Weg dürfte wohl sein, die Raucher zum Aufgeben zu motivieren, anstatt kurze Pausen im Laufe des Arbeitstages übermäßig zu sanktionieren.


