Wie „casual“ darf der Freitag sein?
Was geschieht, wenn ein Unternehmen die Kleiderordnung jede Woche einmal lockert? Oder. Seit wann gibt es eigentlich den "zwanglosen Freitag", und welchen Einfluss hat er auf unseren Geschäftsalltag?
Der "zwanglose Freitag", besser bekannt als "casual friday", kann als Motivierungsmaßnahme für Büroangestellte bis in die 50er Jahre zurückverfolgt werden. Zunächst gering verbreitet, verzeichnete er in den 90er Jahren mit dem Aufkommen und dem Boom des Internets eine starke Zunahme.
In den letzten Jahren haben viele Unternehmen die Kleiderordnung in Frage gestellt und erlauben heute einmal pro Woche oder sogar ständig eine gelockerte Kleiderordnung. Angesichts des wettbewerbsorientierten Arbeitslebens werden Maßnahmen wie der "zwanglose Freitag" in Unternehmensstrategien aufgenommen, um den Mitarbeitern eine angenehmere und flexiblere Arbeitsumgebung zu bieten.
Ein IT-Berater aus einem Unternehmen, in dem das Tragen eines Anzugs und der zwanglose Freitag die Regel sind, berichtet: "Ich hörte vor einigen Jahren auf, einen Anzug zu tragen. Da ich keinen direkten Öffentlichkeitskontakt habe, dachte ich - warum eigentlich nicht? So begann ich, in Jeans und T-Shirt zur Arbeit zu kommen. Niemand hat das je in Frage gestellt; wahrscheinlich passt es einfach zur IT-Kultur."
"Wenn ich heute einmal in besonderer Kleidung oder im Anzug erscheine, denken alle, ich hätte ein Vorstellungsgespräch." Interessant ist jedoch, dass er in seinem Büro immer noch der Einzige ist, der keinen Anzug trägt.
Für viele Führungskräfte ist der zwanglose Freitag natürlich einfach unpraktisch. In Positionen ohne Kundenkontakt kann es zwar gut funktionieren, falls jedoch regelmäßige Treffen mit Behörden, Kunden und anderen Unternehmen an der Tagesordnung sind, wird es problematisch. Unvorhergesehene Besprechungen können perfektes Auftreten erfordern und sogar zum Versäumen einer geschäftlichen Chance führen.
Ein professioneller Rahmen vermittelt insbesondere bei Führungskräften Vertrauen, Respekt und Autorität. Er profiliert eine Persönlichkeit als seriösen und kompetenten Mitarbeiter, der auf sein Erscheinungsbild und auf sein Unternehmen stolz ist.
Es ist ein allgemeiner Grundsatz, dass Kleidung dem Anlass und den Umständen entsprechen soll. Aber sollte sie nicht auch bequem sein? Ein anderer Angestellter berichtet, er trete schon seit ewigen Zeiten dafür ein, dass nur bei Kundenbesuchen Krawattenpflicht bestehen solle. Jetzt ist seine Abteilung "versuchsweise krawattenfrei".
Sind zwanglose Freitage die letzten Überbleibsel von uniformfreien Schultagen, den lang ersehnten Pausen von uniformierter Plackerei?
Uniformen können manche Menschen tatsächlich in ihrer Kreativität hemmen; sie sind jedoch eine einfache und kosteneffiziente Möglichkeit, bestimmte Berufe zu kennzeichnen. Und dann waren da die Kinder, die auch an zwanglosen Schultagen in Uniform kamen. Vielleicht hatten sie es wirklich vergessen, aber vermutet wurde immer, dass sie keine schöne Kleidung oder kein Geld dafür hatten und dies nicht zeigen wollten.
Die durch die zwanglosen Freitage verursachten Kosten sind sicherlich nicht unerheblich. Der einfache Anzug muss durch einen speziellen Kleidungsstil ersetzt werden, keine Wochenendkleidung wohlgemerkt - Badesandalen und löchrige Jeans sind definitiv nicht angesagt - sondern irgendetwas dazwischen.
Eine weitere Frage ist für Führungskräfte wichtig: Wie sind die Auswirkungen auf die Arbeitseinstellung?
Man sagt generell, "uniformfrei heißt zwanglose Kleidung, kein zwangloses Verhalten". Ebenso kann die gelockerte Atmosphäre am Ende der Arbeitswoche im Unternehmen die ersehnte Einstimmung auf das bevorstehende Wochenende sein.
Während einige Unternehmen auf Produktivitätssteigerungen wegen höherer Mitarbeiterzufriedenheit verweisen, deuten andere an, dass mit der Uniform auch Arbeitseinstellung und berufliches Engagement abgelegt werden. Vielleicht ist in diesen Fällen ein monatlicher Rhythmus angebrachter.
Und unterm Strich? Äußerungen wie "Endlich Freitag", "Montag ist Schontag" und "Mittwoch - halb geschafft" werden immer zu unserer Arbeitswoche gehören. Wenn legere Kleidung angemessen ist, die Unternehmenskultur stärkt und uns die Möglichkeit gibt, unsere Anzüge jede Woche reinigen zu lassen, warum machen Sie es dann nicht wie Ihre Mitarbeiter und genießen es?


