Wie effektiv sind Überstunden?
Ein erhöhtes Herzerkrankungsrisiko, psychische Störungen oder eine niedrigere Geburtenrate - nein, hier geht es nicht um die Gefahren, die von Drogen oder von einer ungesunden Ernährung ausgehen, hier geht es um Probleme, die durch lange Arbeitszeiten verursacht werden können.
Deutsche Arbeiternehmer arbeiten durchschnittlich 41,8 Stunden, was einen Mittelfeldplatz innerhalb der EU bedeutet. Am längsten arbeiten unsere österreichischen Nachbarn (44,3 Stunden pro Woche) gefolgt von den englischen Arbeitnehmern (43 Stunden). Am unteren Ende der europäischen Arbeitszeitskala liegen die Länder Litauen (39,9 Stunden pro Woche), Finnland (40,3) sowie Luxemburg und Dänemark mit jeweils 40,4 Wochenstunden.
Man geht gemeinhin davon aus, dass die Menschen in der vorindustriellen Zeit härter arbeiten mussten, um zu überleben. Viele Historiker glauben jedoch, dass das Leben in der vorindustriellen Gesellschaft sehr viel langsamer vonstatten ging und weniger Arbeitszeit zur Sicherung der Grundbedürfnisse nötig war. Es scheint eine Ironie des Schicksals zu sein, dass unsere moderne High-Tech-Gesellschaft dazu geführt hat, dass wir heute noch härter arbeiten.
Welche sozialen Folgen haben lange Arbeitszeiten?
Lange Arbeitszeiten wirken sich negativ auf Familienleben und Beziehungen aus und können Familien und Ehen zerstören. Menschen, die zu viel arbeiten, erleben unausweichlich einen Bruch in ihren familiären und sozialen Aktivitäten.
Die Verantwortung gegenüber Familie und Partner wird oft schmerzlich vernachlässigt. Sie umfasst nicht nur Hausarbeit, Kinderbetreuung und das Erledigen der Einkäufe, sondern auch die Zeit, die man mit dem Partner verbringt. Diese Vernachlässigung kann zu Störungen in der Familie und zu Spannungen in der Ehe führen.
Welche gesundheitlichen Folgen haben lange Arbeitszeiten?
Psychische Gesundheit: Lange Arbeitszeiten können die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Konzentriertes Arbeiten über einen langen Zeitraum hinweg stellt sowohl eine körperliche als auch eine psychische Belastung dar und kann zu dem so genannten ‚Burnout-Syndrom' führen. Angst- und Depressionszustände können durch lange Arbeitszeiten ebenfalls verschlimmert werden.
Herzprobleme: Die Wissenschaft hat mittlerweile anerkannt, dass lange Arbeitszeiten (vor allem bei Schichtarbeitern) für einen Anstieg von Herzerkrankungen um bis zu 40 % verantwortlich sein können.
Fruchtbarkeitsstörungen: Es gibt zunehmend Belege dafür, dass Schichtarbeit, vor allem Nachtarbeit, insbesondere für Frauen im gebärfähigen Alter, gefährliche Auswirkungen haben kann.
Was können wir dagegen unternehmen?
Jeder hat im Verlauf seiner beruflichen Karriere schon einmal lange gearbeitet, um Termine einzuhalten oder um ein zusätzliches, großes Arbeitspensum zu bewältigen. Die Herausforderung für Angestellte besteht darin, loyal und engagiert zu arbeiten, sich aber gleichzeitig der Gefahren, die eine Überarbeitung mit sich bringt, bewusst zu sein. Viele Angestellte wissen nicht, dass sich die eigene Überarbeitung negativ auf die Arbeit und den Arbeitsplatz auswirken kann.
Es ist daher die Aufgabe des Arbeitgebers, ein System zu entwickeln, das der Überarbeitung der Mitarbeiter entgegenwirkt. Folgende Maßnahmen können hierzu beitragen:
- Dafür sorgen, dass der Jahresurlaub nicht angesammelt wird;
- Auf Anzeichen von Ermüdung und chronischer Erschöpfung achten und gegebenenfalls geeignete Schritte zur Reduzierung der Arbeitszeit in die Wege zu leiten;
- Arbeitsumfang und Arbeitsabläufe immer wieder neu bewerten;
- Mitarbeiter zur Beteiligung an gesundheitsfördernden Maßnahmen ermutigen.
