Ist HR mehr als nur eine Prozessfabrik?
"HR ist eine einfache Backoffice-Funktion, die man ohne weiteres outsourcen könnte. Alles, was die HR-Abteilung macht, ist die Absegnung der Entscheidungen der Manager. Was weiß man in der HR-Abteilung schon über die notwendigen Fähigkeiten meiner Angestellten oder über die Tatsache, warum sie unser Unternehmen verlassen?"
Wenn Ihnen auch nur eine der obgenannten Aussagen bekannt vorkommt, ist es an der Zeit, einen neuen HR-Manager einzustellen oder Ihre Einstellung grundlegend zu ändern.
Jedes Unternehmen mit einer derartigen Scheuklappenvision bezüglich der HR-Funktion in der heutigen wettbewerbsbestimmten Umgebung befindet sich in Schwierigkeiten. HR hat sich zu einer multidisziplinären, strategischen Managementrolle entwickelt. Wenn Ihre HR-Funktion eine gewöhnliche Prozessfabrik ist, dann sind Sie den Zeiten des finsteren Mittelalters noch nicht entkommen.
HR erfordert heutzutage außergewöhnlichen unternehmerischen Scharfsinn. Die Interpretation und der Input in die strategische Unternehmensrichtung sind kritische Faktoren. HR muss mit dem Geschäftsführer, Finanzvorstand, Betriebsleiter und der IT-Führungsspitze am selben Tisch sitzen.
HR-Spezialisten müssen in der Lage sein, effizient Leitlinien und Abläufe am Arbeitsplatz zu kommunizieren. Ihr gut geschulter "Finger am Puls" ermöglicht es ihnen, den allgemeinen emotionalen Gesundheitszustand und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu beobachten und sofern notwendig, "Medikamente" zu entwerfen.
HR muss beständig und fair die Regelungen am Arbeitsplatz innerhalb des unternehmerischen Kontexts auslegen. Das Arbeitsrecht hat sich in den letzten 12 bis 18 Monaten deutlich verändert. Zukünftige Veränderungen sind durchaus wahrscheinlich und verschiedene Parteien mit sicher begründetem Anrecht versuchen, die Auslegung der Veränderungen sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zu beeinflussen. Dies stellt eine enorme Herausforderung für professionelle HR-Mitarbeiter dar.
Die Rolle des unparteiischen Schiedsrichters war nie kritischer als jetzt. Wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt, muss die HR-Abteilung die Mitarbeiter respektieren, damit diese sich darauf verlassen können, dass ein Konflikt ohne Vorbehalte und Begünstigungen grundlegend untersucht wird.
Bedeutende Rekrutierungsherausforderungen stellen derzeit die weitreichende Knappheit hinsichtlich der gegebenen Fähigkeiten und eine Arbeitslosenrate auf Rekordtief dar. HR muss sämtliche Rekrutierungsressourcen und spezifischen Fähigkeiten zur Bewertung der Kandidaten nutzen. Der Rekrutierungsvorgang kann eine kostspielige Angelegenheit werden, da auf Grund der geringen Kandidatenauswahl, die Rekrutierungskosten immer weiter steigen.
Einige Manager schätzen den Wert von Befragungen ausscheidender Mitarbeiter zu gering ein und würden es eher vorziehen, den Mitarbeiter einfach austreten zu lassen. Ein HR-Mitarbeiter, der sich aller im Unternehmen vertretenen Rollen bewusst ist, wird stets einen Funken Weisheit aus einer derartigen Befragung ziehen können. Eine aufrichtige und sichere Umgebung und ein fähiger Befrager können anhand einiger unverfänglich scheinender Rückmeldungen aufdecken, warum Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheiden.
HR sollte ebenso Teil eines innovativen und gezielten Ausbildungsprogramms sein. In großen Unternehmen mit gesonderten Ausbildungsressourcen sollten die beiden Bereiche eng zusammenarbeiten. Der Bereich Ausbildung hat sich in den letzten Jahren durch technologischen Fortschritt verändert. Stimulierende und effiziente E-Learning-Optionen ermöglichen eine weitreichende Nutzung und maßgeschneiderte Angebote. Gut funktionierende HR-Abteilungen zielen darauf ab, derartige Ausbildungsmöglichkeiten zu optimieren.
Wenn Ihre HR-Funktion müde und prozessfokussiert ist, liegt es an Ihnen, sie wachzurütteln und die Gardinen aufzuziehen. Erfolgreiche Organisationen beschäftigen strategische Denker mit weit gefächerten geschäftlichen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten, um das große HR-Steuerrad zu bedienen.
