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Ist „busyness” eine Krankheit?

Der Kalender ist voll. Der Posteingang quillt über. Ich kann es einfach nicht bis zu diesem Termin schaffen. Ich habe zu viel zu tun!

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Das Schlagwort von heute ist "Work-Life-Balance". Es ist in aller Munde, und alle möchten ein Stückchen davon. Für die meisten berufstätigen Deutsche ist dies jedoch pure Illusion.
Wir haben unserem Leben ein Tempo gegeben, das uns keine Ruhepause mehr lässt. Wir müssen geschäftig erscheinen, da dies zum Erscheinungsbild des Erfolgs gehört. Wenn mein Telefon nicht ununterbrochen läutet, bin ich nicht wichtig. Wenn mein Posteingang nicht ständig blinkt, bin ich nicht gefragt. Ich muss beschäftigt aussehen, sonst gibt mir mein Chef noch mehr Arbeit.
Studien belegen, dass ein Drittel der Erwerbstätigen mehr als fünfzig Stunden pro Woche arbeitet. Noch mehr Arbeitskräfte arbeiten eine beträchtliche Anzahl von Stunden am Wochenende. Und die Anzahl der Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, ist noch größer.
Unsere Sucht nach Geschäftigkeit ist eine schleichende Krankheit. Sie kam nach der Krise der neunziger Jahre über uns. Wer damals Arbeit hatte, war dafür dankbar, übernahm oft zusätzliche Aufgaben oder leistete unbezahlte Überstunden.

Leider kann man die Uhren nicht zurückdrehen. Die Erwartung bezüglich der Länge des Arbeitstages für Vollzeitkräfte hat sich geändert. Der Achtstundentag ist für viele ein frommer Wunsch.
Diese Ausdehnung des Arbeitstages ist nicht gesund. Besonders Familien sind in ihrem Bestreben, berufliche Verpflichtungen und die Kindererziehung miteinander zu vereinbaren, verstärkt Stress und Sorgen ausgesetzt. Nicht nur die Frauen bekommen das zu spüren. Auch die Väter stehen wegen der Auswirkungen des Arbeitslebens auf ihre Familien unter Stress. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Druck, länger und unregelmäßiger zu arbeiten und dem Auseinanderbrechen von Familien.
Was also ist die Lösung? Wie können wir herunterschalten und bremsen? Wie können wir unsere Gesundheit wiederherstellen und die Arbeitssucht durchbrechen?

Wir müssen den politischen Rahmen und die Unternehmenskultur radikal ändern. Bezahlter Mutterschaftsurlaub ist ein Ansatz, den die Geschäftswelt im Interesse der langfristigen Gesundheit der Erwerbstätigen ernsthaft fördert. Der bezahlte Mutterschaftsurlaub gestattet es Frauen, den Kontakt mit Arbeitsplatz und Karriere nicht zu verlieren.
Bestimmte Arbeitgeber erkennen die finanziellen Vorteile für ihr Unternehmen, wenn z.B. der bezahlte Mutterschaftsurlaub zum Bestandteil der Firmenpolitik wird. Er entlastet die Frauen in ihrer physisch und finanziell turbulentesten Lebensphase,  verbessert Arbeitsmoral und Produktivität, und stellt sicher, dass das firmenspezifische Wissen im Unternehmen bleibt.
Wir müssen stärker auf unsere Gesundheit achten. Wir müssen unseren Lebensrhythmus wieder selbst bestimmen und verlangsamen. Junge Alleinstehende können gern überdurchschnittlich lange arbeiten, solange sie keine Kinder haben. Familien muss es jedoch möglich sein, eine Arbeitsregelung zu wählen, die sowohl den Anforderungen als Eltern als auch den finanziellen Verpflichtungen gerecht wird. Wenn wir uns über unser gesamtes Arbeitsleben hin ein gesundes Gleichgewicht bewahren, können wir, wenn wir es wünschen, auch nach dem 65. Lebensjahr noch einer produktiven und lohnenden Tätigkeit nachgehen.

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